FoB beim Hurricane Festival 2025 – Inklusion im Special Needs Camp

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Manchmal entstehen die schönsten Dinge aus einer Anfrage, mit der man so nicht gerechnet hat.

Bereits Ende 2024 klingelte bei uns das Telefon – am anderen Ende: das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH).

Das DJH ist für uns kein unbekannter Partner. Schon seit vielen Jahren gibt es immer wieder Berührungspunkte: Bei unseren inklusiven Reisen, die wir gemeinsam mit YAT Reisen umsetzen, sind wir regelmäßig in Jugendherbergen in ganz Deutschland untergebracht. Auch für Schulungen und Fortbildungen nutzen wir häufig Häuser des DJH. Ein Austausch war also schon lange da – wenn auch bisher nicht in Form eines gemeinsamen Projekts.

2025 stand beim DJH vieles im Zeichen von Inklusion. In diesem Zusammenhang kam auch erstmals der Kontakt zum Festivalveranstalter FKP Scorpio zustande – mit dem Wunsch, das Special Needs Camp beim Hurricane Festival weiterzuentwickeln und inklusiver zu gestalten.

Relativ schnell war für das DJH klar: Wenn es um den Umgang mit Menschen mit Behinderung geht, um Begleitung auf Augenhöhe und um gelebte Praxis im inklusiven Alltag, braucht es Partner, für die genau das kein Ausnahmeprojekt ist, sondern Teil des Arbeitsalltags. Und so landete die Anfrage bei uns:

Habt ihr Lust, eure Expertise einzubringen und das Special Needs Camp beim Hurricane Festival aktiv mitzugestalten?

Für uns als kleiner, ehrenamtlich getragener Verein war das ein besonderer Moment. Große Namen, große Bühne – und dann wir, der FoB.

Was folgte, war vor allem eins: riesige Freude. Und der Gedanke: Ja, das passt perfekt zu uns.*

Vom ersten Gespräch bis nach Scheeßel #

Es folgten Gespräche, Ideen, Pläne. Schnell war klar: Wir wollen nicht nur „dabei sein“, sondern aktiv etwas beitragen. Unsere Erfahrungen aus inklusiven Reisen, aus Begleitung, aus Gemeinschaft – all das sollte auch auf einem Festival Platz haben.

Und dann war es soweit:

Mittwoch, 18. Juni 2025. Ein Teil unseres Teams machte sich bereits auf den Weg nach Scheeßel, zum Hurricane Festival. Noch war das Gelände leer, die Bühnen still – und genau das machte diesen Moment so besonders. Zu wissen: Die nächsten Tage wird hier alles pulsieren.

Insgesamt waren wir mit zwölf Personen vor Ort:

  • drei aus dem Büro, die das Projekt mit vorbereitet und koordiniert haben
  • drei Reisebegleitungen im Welcome-Team, als feste Anlaufstelle im Special Needs Camp
  • drei Kund*innen + ihren Reisebegleitungen, die ihren Traum vom Festivalbesuch verwirklicht haben
Gruppenfoto des FoB-Teams vor dem Special Needs Camp auf dem Hurricane Festival 2025. Die Gruppe sitzt und steht lachend um ein pinkes Etagenbett. Im Hintergrund ein weißes Zelt und ein bunter Aufsteller mit Begriffen wie Inklusion, Vielfalt und Respekt. Alle wirken fröhlich und motiviert.

Was ist eigentlich das Hurricane – und das Special Needs Camp? #

Das Hurricane Festival zählt zu den größten Musikfestivals Deutschlands. Jedes Jahr kommen zehntausende Menschen zusammen, um Musik, Freiheit und Gemeinschaft zu feiern.

Das Special Needs Camp ist Teil des VIP Camps. Hier können Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Freund*innen oder Begleitpersonen campen – näher an der Bühne, barriereärmer und mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten. Genau hier durften wir mitwirken.

Ankommen, aufbauen, mittendrin sein #

Am Donnerstag öffneten sich dann offiziell die Tore für die Festivalbesucherinnen. Das Camp füllte sich, die Stimmung wurde lebendiger – und wir mittendrin. Spätestens jetzt wurde klar: Wir helfen, hören zu, nehmen auf, tauschen uns aus, lernen viele Besucher*innen kennen und sind einfach mittendrin.

Schon beim Aufbau packten wir mit an, richteten die Pagode ein, dachten Abläufe durch und schauten ganz praktisch: Was brauchen Menschen hier wirklich, um sich wohl und sicher zu fühlen?

In der Pagode im Special Needs Camp entstand gemeinsam mit dem DJH ein Ort, der genau das möglich machen sollte:

  • ein Kühlschrank, um Medikamente zuverlässig kühlen zu können
  • Steckdosen und Lademöglichkeiten, damit elektrische Rollstühle, Handys oder andere Hilfsmittel jederzeit einsatzbereit bleiben
  • ein Euro-Schlüssel für barrierefreie Toiletten – immer griffbereit
  • ganz viel Sonnencreme, Pflaster und kleine Hilfen für zwischendurch

Gleichzeitig sollte die Pagode aber nicht nur funktional sein, sondern vor allem eines ausstrahlen: Festivalgefühl.

Unsere Tattoo-Station war deshalb fast durchgehend umlagert – leer wurde sie eigentlich nie. Menschen kamen vorbei, blieben hängen, kamen wieder. Dazu jede Menge Glitzer, Lachen und Gespräche. Genau so, wie Festival sein soll.

Auch Bewegung und Spiel hatten ihren Platz:

  • ein Kicker, der auch für Rollstuhlfahrer*innen geeignet war
  • Tischtennis, kleine Spiele und spontane Begegnungen

Was uns besonders wichtig war: ansprechbar sein. Für alles.

Für Fragen. Für Sorgen. Für Lob. Für Kritik. Für Verbesserungsvorschläge. Für Wünsche.

Wir waren nah dran am Geschehen, sind aktiv auf Menschen zugegangen, haben zugehört, aufgenommen und weitergedacht. Viele Rückmeldungen – positive wie kritische – konnten wir direkt sammeln. Genau diese Nähe war es, die immer wieder wertgeschätzt wurde.

Auch ein Beitrag im NDR („Hallo Niedersachsen“) zeigte, wie wichtig solche Orte für echte Teilhabe sind: nicht am Rand stehen, sondern mitfeiern, dazugehören, Gemeinschaft erleben. Genau dieses Gefühl durften wir vor Ort immer wieder spüren.

Festival heißt auch: improvisieren #

Natürlich gehört zum Festivalleben nicht nur Sonne. Als aufgrund eines Unwetters das Gelände evakuiert wurde, saßen wir gemeinsam im Bus – nass, müde, aber mit erstaunlich guter Laune. Auch das ist Teilhabe: gemeinsam reagieren, gemeinsam durchhalten, gemeinsam weiterfeiern. Nach ein paar Stunden kam die Entwarnung und die es wurde nochmal ordentlich gefeiert.

Was bleibt #

Dieses Wochenende war für uns mehr als ein Projekt.

Es war:

  • unser erstes Festival als FoB
  • ein starkes Zeichen dafür, dass Inklusion überall stattfinden kann
  • ein Moment von großer Wertschätzung – von Gästen, Partner*innen und Veranstalter
  • und ein Anfang

Wir nehmen viele Eindrücke, Gespräche und Ideen mit – und freuen uns darauf, sie weiterzugeben und weiterzudenken. Denn eines ist klar geworden:

Festivals können barriereärmer sein. Und sie sollten es auch.

Danke an alle, die dieses Wochenende möglich gemacht haben – vor und hinter den Kulissen.

FoB goes Hurricane 2025. Mit Haltung. Mit Herz. Und ganz sicher nicht zum letzten Mal.

Der FoB hat beim Hurricane Festival 2025 gezeigt, dass Inklusion auf Festivals mehr ist als Barrierefreiheit – sie entsteht dort, wo Menschen mit Behinderung gesehen, gehört und aktiv einbezogen werden.
Die Erfahrungen dieses Wochenendes nehmen wir mit – und blicken gespannt auf 2026, mit der Hoffnung, auch dort wieder aktiv Teil der Weiterentwicklung zu sein.

 

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